Motorradsegnung im Stift Göttweig 2005
Die Segnung heuer hat alle Rekorde gebrochen. Es waren über 650 Motorräder auf den Göttweiger Berg gekommen, um Gott um seinen Segen zu bitten. Mitverantwortlich dafür, dass es ein Rekord wurde, war zuallererst der Hl. Petrus, der uns ein hochsommerliches Wochenende arrangiert hat, aber auch der ORF hat da mit Sicherheit seinen Anteil gehabt: http://your.orf.at/noewebcam/bheute/player.php?day=2005-05-27&offset=00:20:44
Gute 5% der Motorräder kamen aus Luxemburg und nicht nur um sich hier zu erholen, sondern um mitzuhelfen. Ihnen ist zu verdanken, dass keiner vor den Toren bleiben musste und jeder sein Plätzchen im Stiftshof fand.
Daneben gar es viel Helfer und Mitarbeiter im Hintergrund und die "Cantores Dei" mit Monika Ballwein haben diesen Gottesdienst begleitet und zu einem ganz tollen Fest gemacht.
Leider ist aufgrund meiner menschlichen Schwachheit auch einiges daneben gegangen. So habe ich beispielsweise vergessen, zur Rätselrallyes aufzufordern, dann gab es keine kühlen Getränke im Hof und ich habe mich bei vielen nicht mehr eigens bedanken können, was ich aber hiermit öffentlich tun möchte:
DANKE euch, für euere Hilfe und euer Kommen!!!!!!!!!!!
Die Bilder von der Segnung:

Sogar der hintere Parkplatz musste heuer in Anspruch genommen werden (hier während der Aufstellung). Und obwohl es für manche wirklich schon sehr lange dauerte, hielten sie in der Hitze aus, bis der Segen kam:
Eine sehr große Vespa Abordnung war auch angereist:

Die "CANTORES DEI" zeigten wieder mal was sie drauf haben.
Man hörte da und dort:
"Suuuper, es ist wie ein kleines Woodstock!"

Die Texte zur Segnung:
Kyriegedanke: Herr unsere Motorräder haben wir geputzt und poliert – unsere Seele, wer poliert uns die? – DU? -
Kyrie gesungen von den CANTORES DEI
Eröffnungsgebet:
Ich möchte mit einem Gebet zum Vater beginnen: „Barmherziger
Vater, menschenfreundlicher Gott. Schau auf diese vielen Menschen, die heute
zu uns auf diesen Berg gekommen sind, die gekommen sind um deinen Segen zu erhalten
und ein wenig Zeit mit dir stressfrei zu verleben. Erweise dich in dieser Stunde
als unser aller guter Vater und sende uns auf all unseren Wegen einen starken
Begleiter, einen guten Engel, der seine schützende Hand über uns ausgestreckt
hält. Darum bitten wir durch deinen Sohn Jesus Christus unseren Herrn,
der in der Einheit des heiligen Geistes mit die lebt und herrscht in Ewigkeit.
Amen.
Lesung aus dem Buch Tobit:
Tobit sprach zu seinem Sohn Tobias, wenn ich gestorben bin: Gib dem Hungrigen
von deinem Brot und dem Nackten von deinen Kleidern! Wenn du Überfluss
hast, dann tu damit Gutes, und sei nicht kleinlich, wenn du Gutes tust.
Spende dein Brot beim Begräbnis der Gerechten, gib es nicht den Sündern!
Such nur bei Verständigen Rat; einen brauchbaren Ratschlag verachte nicht!
Preise Gott, den Herrn, zu jeder Zeit; bitte ihn, dass dein Weg geradeaus führt
und dass alles, was du tust und planst, ein gutes Ende nimmt. Denn kein Volk
ist Herr seiner Pläne, sondern der Herr selbst gibt alles Gute, und er
erniedrigt, wen er will, wie es ihm gefällt. Denk also an meine Lehren,
mein Sohn! Lass sie dir nie aus dem Herzen reißen!
Und jetzt will ich dir noch etwas sagen: Ich habe Gabaël, dem Bruder des
Gabrija, in der Stadt Rages in Medien zehn Talente Silber zur Aufbewahrung anvertraut.
Hab also keine Angst, mein Sohn, weil wir verarmt sind. Du hast ein großes
Vermögen, wenn du nur Gott fürchtest, alle Sünde meidest und
das tust, was ihm gefällt.
Tobias antwortete ihm: Ich will alles tun, Vater, was du mir aufgetragen hast.
Aber wie soll ich das Geld holen? Ich kenne Gabaël doch nicht. Da gab ihm
der Vater den Schuldschein und sagte: Such jemand, der mit dir auf die Reise
geht. Ich will ihn entlohnen, solange ich noch am Leben bin. Mach dich also
auf den Weg, und hol das Geld ab! Tobias ging auf die Suche nach einem Begleiter
und traf dabei Rafael; Rafael war ein Engel, aber Tobias wusste es nicht.
Er fragte ihn: Könnte ich mit dir nach Rages in Medien reisen? Bist du
mit der Gegend dort vertraut?
Der Engel antwortete: Ich will mit dir reisen; ich kenne den Weg und war schon
bei unserem Bruder Gabaël zu Gast.
Tobias bat ihn: Wart auf mich, ich will es meinem Vater sagen.
Der Engel antwortete ihm: Geh, aber halte dich nicht auf!
Tobias ging nach Hause und sagte zu seinem Vater: Ich habe einen Mann gefunden,
der mit mir reisen will. Da sagte der Vater: Ruf ihn her zu mir! Ich möchte
wissen, aus welchem Stamm er kommt und ob er auch zuverlässig genug ist,
um dich zu begleiten.
Tobias holte den Engel; Rafael kam, und sie begrüßten einander.
Tobit fragte ihn: Bruder, aus welchem Stamm und aus welcher Familie kommst du?
Sag es mir!
Da erwiderte Rafael: Geht es dir um den Stamm und die Familie oder um einen
Mann, der gegen eine Entlohnung mit deinem Sohn auf die Reise geht? Tobit sagte:
Bruder, ich möchte nur deine Herkunft und deinen Namen wissen.
Da antwortete Rafael: Ich bin Asarja, der Sohn des großen Hananja, einer
von den Brüdern deines Stammes.
Darauf sagte Tobit: Sei willkommen, mein Bruder! Sei mir nicht böse, dass
ich nach deinem Stamm und deiner Familie gefragt habe. Ich sehe, mein Bruder,
dass du aus einem guten und edlen Geschlecht stammst. Denn ich habe Hananja
und Natan, die Söhne des großen Schimi, kennen gelernt, als wir zusammen
nach Jerusalem pilgerten, um dort den Herrn anzubeten und das Erstlingsopfer
und den Zehnten unserer Ernte darzubringen. Auch diese beiden hatten sich nicht
beirren lassen, als unsere Brüder von Gott abfielen. Bruder, du stammst
von guten Vorfahren.
Aber sag mir: Welchen Lohn soll ich dir geben? Eine Drachme täglich und
dazu den Lebensunterhalt, wie ihn auch mein Sohn erhält?
Ich will dir aber noch etwas zu deinem Lohn hinzugeben, wenn ihr gesund zurückkehrt.
Lesung aus dem Buch Tobit.
Predigt:
Ciao!
Ich habe mir ursprünglich gedacht, ich möchte heute zu euch ein wenig
über euren Schutzengel reden.
Viele von euch habe bei der Taufe von der Oma so einen Schutzengelanhänger
bekommen, verbunden mit dem Wunsch, dass dein Schutzengel auf dich aufpassen
möge.
Vielleicht hast du dann in deiner Kindheit noch das Schutzengelgebet gelernt
und am Abend auch vor dem Zudecken noch gebetet.
Vielleicht hast du dann auch so mit 14 den Schutzengel am Ketterl abgelegt,
in eine Schatulle, oder er ist die schon früher beim Raufen oder so verloren
gegangen. Vielfach wird gerade dieser Anhänger dann gar nicht mehr ersetzt.
Vielleicht hast du dann – in dem ganzen Disput um das „Engelwerk“
- auch noch die letzten Fäden zu deinem Schutzengel gekappt, so dass dir
der Gedanke an ihn, als ein kindischer vorkommt und in Bezug auf den Schutzengel
mit dem Apostel Paulus gesagt hast:
„11 Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind
und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an
mir war.“
Vielleicht ist es dir da so ergangen wie mir; und du tust dir heute immer noch schwer, wenn jemand beginnt, über sein Schutzengelchen zu reden. Vielleicht aber geht es dir so, dass du diese Kinder fast ein wenig beneidest, wenn sie so selbstbewusst und sicher über ihren Schutzengel sprechen.
Ich habe mir gedacht, dass wäre ein Hit, wenn mir bei so einer Veranstaltung einmal ein Schutzengel so richtig Rede und Antwort stehen würde. Und während ich darüber nachgedacht habe, habe ich bemerkt, dass ich irgendwie schon in einem solchen Gespräch drin war. Das ganze hat sich in Gedanken abgespielt und in etwa so:
Johannes:
„Hm, wenn ich nur einen Schutzengel hätte,
der mir vor den Bikern Rede und Antwort stehen könnte.
Engel:
Hast du etwas keinen?
Johannes:
Hm ja, sicher hab ich einen, aber der redet nicht, zumindest
nicht lautstark vor 200 oder 500 Bikern und Bikerinnen!
Engel:
So?
Johannes:
Moment, hab ich mir da jetzt selbst was eingeredet, oder
kam mir da von innen eine Antwort? Na, ja vielleicht frag ich einfach weiter,
vielleicht ist das, was mir dabei in den Sinn kommt, ja doch so etwas wie Antwort
von meinem Schutzengel.
Also: Gleich einmal ins Zentrum: Wenn du abgestellt bist, um auf mich aufzupassen,
warum passiert dann so viel, angeblich schläfst du ja nicht. Wieso ist
dann im Helenental im Tunnel vor Baden damals mein Gepäcksystem gebrochen,
so dass es mich getrennt von meiner Morini aus dem Tunnel hinauskatapultiert
hat?
Engel:
Gepäckssystem? Du erinnerst dich wohl nicht mehr
so gut an die Sache, oder? Was du dir da vor über 20 Jahren über das
Kotblech deiner Morini gehängt hast, war kein Gepäcksystem sondern
die Plastikseitentasche von deinem alten Fahrrad, mit zwei winzigen Plastikriemen
drübergepfriemelt und dann noch voll mit Wäsche und Essenszeug abgefüllt.
Also ich bin nicht dafür da, dass du ungestraft alle physikalischen Gesetze
brechen kannst. Das darfst du dir schon selber und deinem Leichtsinn zuschreiben.
Abgesehen davon, erinnere dich, du bist damals ohne Lederdress mit Jeans und
Jacke mit ca. 60 Kmh Richtung Randstein gesegelt und hast mit deiner Wirbelsäule
an der Randsteinkante deine Geschwindigkeit abgebremst. Dann bist du aufgestanden
und hast den Himmel geschimpft, weil das Motorrad Schrott war. Dass dir nix
passiert ist, darüber hast du gar nicht nachgedacht, nur der Schaden an
dem Motorrad war in deinem Schädel.
Johannes:
Hm, ja, das stimmt.
Engel:
Du warst übrigens auf dem Weg zur Arbeit und hast,
nach dem ersten Schock nur eine Sorge gehabt. Wie komm ich jetzt am schnellsten
in die Firma und wie kann ich es anstellen, dass niemand mitbekommt, dass es
mich geschmissen hat?
Und, wie lange hat es gedauert, bis jemand stehen geblieben ist, dich mit deinen
sieben Zwetschken verladen hat und dich in die Firma gebracht hat.
Johannes:
Keine drei Minuten, ich hab gerad alles zusammengeklaubt
gehabt!
Engel:
Aha, und bist du rechtzeitig in der Firma gewesen?
Johannes:
Ja!
Engel:
Na ja, weißt du, in dem Moment warst du ganz offen,
dir helfen zu lassen, und hast deine Unmöglichkeit jetzt etwas allein mit
deinem Schädel machen zu können voll eingesehen. Innerlich hast du
gebettelt um Hilfe und echt stark gehofft, dass dir Hilfe widerfährt. Da
war es für mich ein Leichtes, dir zu helfen. Wenn du es noch nicht kapiert
hast, ich hab den Mann mit dem roten Golf gekeilt!!!!!
Mehr als ein DANKE hat er von dir ja nicht bekommen – weil du immer noch
angefressen warst, wegen deiner Maschine.
Johannes:
Hm, ob der noch lebt? Ich glaube der war damals schon
über 60?
Engel:
Er hat zwar von dir kaum einen Dank erhalten – nicht
einmal nach seinem Namen hast du ihn gefragt, geschweige denn nach seiner Adresse!
Johannes:
Ich war unter Schock!
Engel:
Ja, ich weiß, mach dir keine Sorgen – seine
Bereitschaft mir zu helfen um dir zu helfen, haben wir fest verbucht, weißt
du nicht, was Jesus über diese sagt:
Johannes:
Wird das jetzt ein Prüfung? Natürlich weiß
ich, was Jesus über solche Menschen sagt: „Und wer einem von diesen
Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger
ist - Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.“
Prüfung bestanden?
Engel:
Prüfung bestanden! Mach dir jetzt also keine Sorgen
mehr um diesen Mann.
Übrigens, du hast damals den Unfall vor deinen Eltern und Freunden nicht
verbergen können und oftmals gesagt, dass dir da dein Schutzengel geholfen
hat. Weißt du noch.
Johannes:
Ja, stimmt, dass hab ich immer wieder gesagt. Dann war
es auch wirklich so?
Engel:
Ja, es war wirklich so!
Mit dem Gedanken ist dann mein innerer Dialog abgebrochen. Ich hab gedacht, ich werde euch einfach sagen, wie diese wenigen Sekunden in meinem Kopfe abgelaufen sind. Nach dem Niederschreiben dieser Gedanken war ein großer Druck von mir weg.
Fürbitten:
Normalerweise sagen wir – wenn wir einen Fürbitte unterstützen
wollen in der Kirche immer: Wir bitten dich erhöre uns. Ich denke wir sollten
vielleicht unseren eigenen Ausdruck finden, wenn wir so eine Fürbitte mit
unterstreichen. So lade ich ein, dass ihr, - wenn ihr die Bitte auch unterstützen
wollt, einfach kurz auf eure Hupe drückt.
Ich denke Gott darf ruhig hören, dass wir ihn um was bitten wollen.
Also seid ihr bereit?
Bikerfreundlicher Gott!
Du hast uns hier zusammengerufen um an uns Gutes zu tun, so höre nun was
uns auf dem Herzen liegt.
1) Wir wollen immer wieder gesund nach Hause kommen. Gib das wir das, was wir dazu beitragen können nicht verabsäumen und greife mittels deiner Engel dort schützend ein, wo wir machtlos sind.
2) Der Weg ist oftmals unser erstes Ziel. Hilf uns, dass dieses Unterwegssein mehr ist, als nur ein Sehen und Gesehen werden.
3) Auch heuer haben schon wieder einige von uns einen Asphaltausschlag abbekommen. Lass ihre Wunden gut verheilen und berühre auch uns, wo wir innerlich Verwundete und Verletzte sind.
4) Bewahre uns vor technischem Gebrechen und schick uns einen Engel, wenn wir eine Panne erleiden.
5) Nimm jene in deiner Barmherzigkeit auf, welche im Straßenverkehr aus dem Leben gerissen wurden und tröste alle, die um sie trauern.
Bikerfreundlicher Gott!
Du hast unsere Bitte gehört, erhöre auch jene, welche nicht ausgesprochen
wurden, uns aber dennoch ein wirkliches Anliegen sind. Amen.
Vater Unser gesungen zusammen mit den CANTORES DEI
Segensgebet:
Gott der menschenfreundliche und der gütige,
Ursprung und Vollender von allem was ist,
er segne euch,
er gebe euch Wachstum im Vertrauen auf ihn,
er schenke euch das Gelingen eurer Hoffnungen, die Frucht eurer Mühe
und er behüte euch durch seine Engel
vor allem Argen vor Unfall und Krankheit
er sei euch Schutz in Gefahr und Zuflucht in der Angst
er öffne eure Herzen, wo ihr euch eingeschlossen habt
er schenke euch einen Sinn für seine Liebe und ein Ohr für seine Stimme
er gebe euch Leben in Fülle und Frieden mit den Menschen.
das gewähre euch allen, der in sich stimmige und einige Gott:
Der Vater und der Sohn und der heilige Geist. Amen.
Sollte jemand noch einen Aufkleber zur Erinnerung an die Segnung haben wollen, kann er sich selbstverständlich an mich wenden. guzzipfarrer@guzzipfarrer.at